Pionier im Land Brandenburg: Diakonisches Bildungszentrum Lobetal startet mit einer Inklusiven Bildungsagentur

Bildung für alle! Das hat sich die Agentur für Fort- und Weiterbildung des Diakonischen Bildungszentrums Lobetal auf die Fahnen geschrieben. „Für uns war schon lange ein Thema, dass Bildung nicht exklusiv, sondern inklusiv sein muss.“ Damit meint Michael Nöthlings, Leiter der Fortbildung- und Weiterbildungsagentur, dass Menschen mit Behinderung außerhalb von Werkstätten und Wohneinrichtungen Fort- und Weiterbildungen nutzen können. Mit dem „Förderprogramm Beratung, Begleitung und Selbsthilfe“ der Aktion Mensch gibt es nun die Möglichkeit. „Wir haben unsere Ideen dort vorgestellt und erhalten fünf Jahre die Möglichkeit, diese Idee zu entwickeln und zu etablieren“, freut sich Nöthlings.

Menschen mit Behinderung sollen auch Fortbildungen wahrnehmen können

 

Antje Bauerschäfer-Jahn und Niels Kauffmann haben diese Aufgabe mit zusammen einer Stelle übernommen. Frau Bauerschäfer-Jahn hatte bisher seit über einem Jahr im Diakonischen Bildungszentrum die Schulsozialarbeit im Blick. Niels Kauffmann arbeitete als Dozent. Seine Schwerpunkte sind das Bundesteilhabegesetz (BTHG) und die Erwachsenenbildung. Er fragt sich schon lange: „Warum sollten Menschen mit Behinderung nicht auch eine Fortbildung wahrnehmen können?“ Und meint damit nicht die arbeits- und lebenspraktische Förderung, die innerhalb der Werkstätten und Einrichtungen angeboten werden. „Wir möchten Bildungsangebote unterbreiten, die für Menschen mit und ohne Behinderungen gleichermaßen  strukturiert sind.“ Das bedeutet, dass es ein Fortbildungsprogramm gibt, dass jede/jeder unter den Angeboten frei auswählen kann, dass es ein Anmeldeverfahren gibt, dass man am Counter seine Tagungsunterlagen erhält und dass auf den Tischen Tagungsgetränke sowie Obst oder ähnliches ganz selbstverständlich bereitsteht - ganz normal eben.

Ein breites Spektrum von Kursen im Blick

 

Und was werden die Inhalte sein? Ein breites Spektrum ist im Blick. Es wird die Klassiker geben, also Kurse, die Freizeitinteressen aufnehmen wie Kochen, Gesundheit, Kreativität oder Computer bzw. digitale Medien. Auch wird es Angebote geben für die persönliche Entwicklung und Reflexion. Einige Kurse werden auf die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen eingehen, ihnen ihre Bedarfe und rechtlichen Möglichkeiten erläutern, so dass sie diese besser artikulieren und durchsetzen können. Mit im Blick sind auch die Angehörigen und das soziale Umfeld. „Natürlich werden wir die Menschen fragen, was sie interessiert und diese Themen in unser Programm aufnehmen“, ergänzt Antje Bauerschäfer-Jahn. Sie macht es am Beispiel Wohnen konkret. „Unsere Kurse werden an Lebenswelten anknüpfen. Wie kann ich selbstständig wohnen? Was muss ich dabei beachten? Wie lese ich einen Vertrag? Wie kann ich energiebewusst wohnen? Welche Möglichkeit der Unterstützung gibt es?“ Man müsse im Blick haben, dass Themen, die für uns selbstverständlich seien, für Menschen mit Behinderung nie vorgekommen sind, weil immer jemand für sie da war und es ihnen abgenommen hat.

 Segel neu setzen – auch in der Bildung

 

Das neue Angebot nimmt den Perspektivwechsel auf, der im neuen BTHG angelegt ist. Es gehe nicht mehr darum: Ich weiß, was Du brauchst, sondern darum: Jemand weiß selbst, was er oder sie braucht. Michael Nöthlings dazu: „Wir schreiben dem Menschen nicht mehr vor, was er braucht. Der Informationsbericht fordert jetzt Teilhabeplanung und Selbstwirksamkeit. Jetzt fragen wir: Was benötigen Sie? Was wollen Sie erreichen und wie kommen Sie dahin?“ So setze das BTHG auch im Bereich Bildung die Segel neu.

Dabei weiß das Team, dass es viel Überzeugungs- und Kommunikationsarbeit leisten muss. „Wir verstehen uns als Ergänzung und als Bereicherung der Werkstätten und der Einrichtungen“, geben sie zu verstehen. Dazu wird derzeit der Boden bereitet. Es gilt zu informieren, das Konzept und die Angebote zu entwickeln, das Netzwerk aufzubauen und was am Wichtigsten Ist: Vertrauen zu gewinnen. Eine lange Liste ist abzuarbeiten: Bereichs- und Einrichtungsleitungen, Werkstatträte, Wohnungsräte, Selbstvertretergruppen, um nur einige zu nennen. Hinzu kommen die Netzwerke in den Landkreisen. Zum Beispiel die Teilhabeberatung, die Ämter, die Schulen und Fördereinrichtungen. Die ersten Termine sind schon gemacht.

„Wir möchten die Menschen mitnehmen, Akzeptanz intern und extern aufbauen und zeigen, was der Mehrwert von Fortbildung für Menschen mit Behinderungen ist. Eines Tages werden wir DIE Inklusive Bildungsagentur in Brandenburg sein“, geben sich die drei Pioniere zuversichtlich.

Wer mehr erfahren möchte oder Wünsche hat zu Bildungsangeboten kann sich gerne melden bei:

Diakonisches Bildungszentrum Lobetal
Fort- und Weiterbildung
Telefon: 0176 87 95 95 36
E-Mail: fobi@lobetal.de

März 2021


„Studio Lobetal“ auf Sendung - Digitaler Tag der offenen Tür 2021 am Diakonischen Bildungszentrum stark nachgefragt

Doppelter Aufwand – voller Erfolg! Auf diese kurze Formel ließe sich der erstmals digital veranstaltete Tag der offenen Tür im Diakonischen Bildungszentrum Lobetal (DBL) am zweiten Februarsamstag 2021 bringen. Rund 400 Bildungsinteressierte hatten sich an diesem Tag von 10 bis 14 Uhr in den virtuellen Räumen des Bildungszentrums umgeschaut. Via E-Mail oder Telefon konnten Sie Rat und Informationen zu den Angeboten einholen und im Livechat mit Lehrpersonen sowie mit Schüler*innen des Bildungszentrums ins Gespräch kommen. Damit haben in etwa so viele Besucherinnen und Besucher an diesem Tag Interesse an der Lobetaler Bildungseinrichtung bekundet wie beim direkten Besuch an vergleichbaren Tagen in den Vorjahren.

Mit großem Aufwand 

 DBL-Leiter Dr. Johannes Plümpe schätzt ein, dass man in diesem Jahr im Vergleich zu den Präsenzveranstaltungen in den Vorjahren etwa doppelt so viel Zeit und Kraft für den Tag der offenen Tür einsetzte – wurden für den 13. Februar zahlreiche Möglichkeiten geschaffen, sich ganz persönlich per E-Mail oder Telefon individuell beraten zu lassen. Vor allem aber waren die fünf verschiedenen thematischen Live-Video-Chats nachgefragt, vier davon im Lobetaler Gebäude und einer im Skillslab in der Zepernicker Chaussee in Bernau organisiert.

Auf den jeweiligen Bildungsgang bezogen stellten hier die Besucherinnen und Besucher ihre Fragen und konnten im persönlichen Kontakt direkt Antworten bekommen. Es entstand ein angenehmer Austausch, bei dem sowohl aktuell am DBL Lernende von ihren Erfahrungen in der Ausbildung berichteten als auch verschiedene Lehrpersonen sich selbst, aber auch ihre Ideen einer handlungsorientierten Ausbildung vorstellten.

Wochenlange Vorbereitung

Seit Anfang Dezember hatte sich das Orga-Team wöchentlich getroffen, frühzeitig entschieden, dass bereits in Lobetal aktiv Schülerinnen und Schüler die Vorbereitung unterstützen sollten. Am Tag der offenen Tür zeigten Videofilme, mit wie viel Ernst, aber auch mit welch großem Spaß sie dieser Aufforderung nachgekommen waren. Neben der Präsentation der Bildungsgänge in verschiedensten Videosequenzen war insbesondere das Video der Schulband sehr gefragt: Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen hatten im Vorfeld gemeinsam das Projekt „Time warp“ auf die Beine gestellt, das sowohl beim Dreh als auch beim Anschauen großen Spaß bereitete.

Informationen stehen nach wie vor bereit

Wer den Dialog mit dem Lobetaler Bildungszentrum am 13. Februar nicht realisieren konnte oder jetzt neugierig auf das an diesem Tag präsentierte Material geworden ist, der kann in den kommenden Wochen zwar nicht die Livechats nachholen, sich dafür aber inhaltlich in der für den Tag der offenen Tür gewählten Form informieren. Die dafür neu gestalteten Seiten zu den Bildungsgängen im DBL bleiben online. Auch die hier zu findenden Angebote, um ganz persönlich mit Pädagogen und Beratern des DBL ins Gespräch zu kommen, indem man beispielsweise um einen telefonischen Rückruf bittet, gelten weiterhin.

 

Februar 2021